Freundschaft – Eine kleine Geschichte

In der Grundschule hatte ich mal eine beste Freundin. Mit dem Wechsel auf die Realschule und dem Umzug von der Freundin, war die Freundschaft aber auch vorbei. Wir hörten nie wieder etwas voneinander.
Sobald es das Alter zu ließ fing ich an, an Wochenenden und in den Ferien zu arbeiten, was sollte ich sonst sinnvolles mit meiner Zeit anfangen? Ich finanzierte mir somit mein Hobby und später auch meine Kleidung.
Mit nicht mal 18 Jahren zog ich aus und war auf mich gestellt. Gefühlt war ich das schon immer. Ich liebte das unabhängige Leben und ging im jobben auf – hatte eine zeitlang sogar drei Jobs parallel 😀
Hauptsächlich arbeitete ich als Pizzabäckerin und alles drumherum, von der Schichtplanung bis zur Bestellung und Auslieferung. Ich fand das Klasse und hatte meinen Spaß – nur der Rücken und das Mehl machte mir irgendwann zu schaffen.
Eines Tages sollte es aber „Klick” bei mir machen. Es arbeiteten oft Studenten dort, um sich zum Studium etwas dazu zu verdienen und es hämmerte die Frage: „Willst du das hier für den Rest deines Lebens machen?” in meinem Kopf.
Die Antwort musste ich nicht zu Ende denken. Ich wusste was ich zu tun hatte. Ich wusste, dass ich auch irgendwann studieren möchte und das es Zeit war etwas zu suchen, dass ich auch im Alter noch machen kann. Ich war Feuer und Flamme. Wie der Zufall so wollte, befand sich gerade mal 500 Meter von der Fiale entfernt, eine Abendschule für Erwachsene. Und das wusste ich, erst nachdem ich ein paar Jahre in der Pizzeria gearbeitet habe. 😀
Ich begann also abends mein Abitur nachzuholen, dass fünf Jahre andauern sollte. Während der Zeit sollten auch arbeitstechnisch die Weichen gelegt werden. Ich bagann so stark auf Mehl zu reagieren, dass ich mir zwangsläufig etwas anderes suchen musste, wenn ich nicht unter Bäckerastma leiden wollte. Ich bekam – auch wenn ungelernt – eine Umschulung finanziert. Es sollte eine einjährige Weiterbildung zur Webdesignerin werden. Cool, also gut. Ich ließ die Abendschule schleifen und konzentrierte mich darauf, während ich noch immer nebenher jobbte.
Nach dem Jahr begann ich meine Ausbildung zur Mediengestalterin, ging also vormittags in den Ausbildungsbetrieb und abends in die Abendschule. Beides schloss ich fast zeitgleich ab. Über die Zensuren schweigen wir jetzt einfach mal. 😀
Als i-Tüpfelchen bekam ich während dieser Zeit auch meine wundervolle Tochter.
Diese Zeit werde ich nie vergessen. Ich machte einen Spagat mit zwei zusätzlichen Beinen, die ich überhaupt nicht hatte: Ausbildung, Abendschule, Jobben (ja, noch immer, weil ich Alleinverdiener war) und meinem Kind. Meine damalige Beziehung litt sehr darunter, aber ich konnte nicht anders, ich musste mich weiterentwickeln und konnte nicht „stehen bleiben”. Ich wusste, dass es uns allen finanziell besser gehen würde, wenn ich diese Abschlüsse hatte. Es war eine enorme Kraft, die mich voran trieb. Ich wollte es anders machen, ich wollte es besser machen und ich wollte mein Leben lang keinen „Nullachtfünfzehn”-Job machen, nur des Geldes wegen. Nein, dass war kein Leben. Ich wollte machen was mir Spaß machte. Das musste auch mit Kind und Beziehung möglich sein. Ich wollte einfach nicht aufhören zu leben, nur weil nun ein Kind da ist. Und vorallem, wollte ich meiner Kleinen und mir beweisen, dass man etwas für sich erreichen kann, wenn man dafür kämpft. Es gab keine Wochenenden und auch keinen Urlaub.

Nach der Ausbildung und dem Abi sollte ein neuer Lebensabschnitt beginnen. Nach unzähligen Bewerbungen in meinem Ausbildungsberuf sollte ich in meiner Geburtsstadt keine Arbeitsstelle finden, so dass wir gezwungen waren in eine andere Stadt zu ziehen, in der ich, über Vitamin B, eine Festanstellung erhielt. Es war geschafft – dass dachte ich eine zeitlang. Bis sich die Unzufriedenheit einstellte. Ich fühlte mich nicht fertig und ich hatte erneut den Drang mich weiterzubilden, mehr zu wissen, mehr zu leisten. Ich war erneut an einem Punkt, an dem ich das Gefühl hatte stehen zu bleiben. Nach dem Umzug dauerte es gerade mal ein Jahr bis ich mich dazu entschloss eine Weiterbildung zu beginnen – drei Jahre lang neben dem Job.

Während des Lernens und fachlichen weiterentwickelns verlernte ich, wie man qualitativ Zeit mit jemanden verbringt und fühlte mich in meiner Beziehung eingeengt. Sie zerbrach später daran. Ich war nicht mehr in der Lage dem anderen Teil die notwendige Aufmerksamkeit zu geben. Ich entwickelte mich zu einer Einzelkämpferin, deren Droge das Aufsaugen von Wissen war.
Mit Menschen traf ich mich selten, einfach nur des Treffens wegens. Wenn dann wurde zusammen gelernt, wenn ich nicht für mich alleine lernen konnte.

Ich lernte, dass ich mich nur auf mich selbst verlassen kann, unabhängig von anderen. Nach Hilfe fragte ich nur, wenn ich es selbst nicht hinbekommen habe, aber etwas unbedingt erledigt werden musste. Auch die spätere Beziehung sollte, unter anderem, an meiner Engstirnigkeit und meinem Grundzwang zerbrechen.

Über Jahre hinweg bestand mein Leben aus arbeiten und lernen. Ich ging auf in meinem Job und wollte alles darüber wissen. Soziale Kompetenzen konnten sich bei mir nur bedingt entwickeln. Enge Freundschaften gab es kaum und sie verliefen sich mit jedem neuen Lebensabschnitt. Es gab Arbeitskollegen, Bekannte und Menschen mit denen man zusammen lernte. Ich brauchte niemanden, abgesehen, von meinem einen Menschlein, mit dem ich zusammen war.  Mein Menschlein, das mich unterstütze und mir den Rücken freihielt – bis zu einem gewissen Grad.

Heute ist es anders. Heute muss ich mir nicht mehr die Frage stellen, ob ich mit meiner Tankfüllung meinen Bestimmungsort noch erreiche. 😀
Aber was noch viel wichtiger ist, ist dass sich die Blickrichtung erneut gewendet hat. Ich lerne, dass es auch andere wichtige Dinge im Leben gibt als arbeiten und lernen. Ich lerne mit meiner Tochter zusammen, wie wichtig es ist Freunde zu haben. Im Gegensatz zu mir legt sie großen Wert auf ihre Freundschaften und ich bin sehr stolz auf sie, dass sie einen anderen Weg gehen wird als ich.

Ab und an ertappe ich mich noch dabei, den Glauben zu vertreten, dass ich niemanden bräuchte – aber das stimmt nicht. Jeder Mensch braucht Freunde.
Es ist schön, dass immer jemand da ist und dass es auch möglich ist, einfach mal so in gemeinsamer Runde zusammen zu sitzen, nur um einfach etwas Zeit miteinander zu verbringen. Ganz ungezwungen, wenn einem einfach danach ist.
In Maßen vertrage ich das mittlerweile sehr gut und ich lerne was Freundschaft bedeutet und vor allem, dass die Menschen auch noch da sind, wenn man sich eine zeitlang nicht gesehen hat. Es fühlt sich langsam wie ein Zuhause an, bei dem ich frei sein kann und doch nicht alleine bin. Ich schätze sehr die Menschen mit denen ich zu tun habe, mit all ihren unterschiedlichen Charakteren und Macken, die mir Freude bereiten. Freunde sind Teil von Leben. Wenn auch langsam, lerne ich zu leben und bin sehr dankbar für die Menschen, die ich in meinem Umfeld habe. Auch wenn sie es nicht wissen, helfen sie mir beim Lernen – diesmal nicht fachlich, sondern persönlich. Sie helfen mir mich selbst weiter zu entwickeln. Dafür danke ich ihnen so sehr.

… ja, und das Studium. Das werde ich auch irgendwann zu Ende machen 😀 😀
Wenn ich soweit bin. 🙂

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